Tim Weißkohls Zirkus bot die großartigsten Attraktionen aus aller Welt: er zeige die siebenfingrige Rosa, die übrigens “schön wie eine Asiatische Prinzessin” war, obzwar sie aus einem Dorf an der Adria stammte; er zeigte Frantik, den Andorranischen Zwerg, der auf seiner eigenen Zunge balancieren konnte; er zeigte den sprechenden Elefanten, der seine Stimme in einem Babylonischen Feuer verloren hatte, der aber mit seinem Rüssel in den Sand schrieb: “Ich bin so allein.” Tim hatte sogar einen unermesslich kostbaren Ring von der Hand des Herrn Jesus Christus selbst, der durch jeden, der ihn getragen, Wunder bewirkt hatte. Rosa, das vielfingrige Mädchen, trug dieses Kleinod während der Vorstellung: “Ich könnte ebenso als Ring-Modell auftreten,” sagte sie zu einem, der sich wunderte, warum sie im Zirkus auftrat. In der Tat hätte sie viele Karrieren haben können aber sie liebte es, mit Tim Weißkohl und seiner wilden Truppe von Freaks und Genies zu reisen. Obwohl sie erst achtzehn war, hatte sie bereits ein Kind mit einem Prinzen gehabt, der zwei Finger jeder Hand auf dem Schlachtfeld gelassen hatte: der Prinz wollte einen gesunden Erben und erhielt von Rosa, die der genetischen Arithmetik mächtig war, einen Jungen mit genau zehn Fingern. Trotz ihrer Jugend hatte sie bereits die gesamte Welt zweimal gesehen, einschließlich “der Gegend jenseits der Karpaten, den Ruinen Karthagos und den sagenhaften Meerjungfrauen von Sevilla,” sagte sie. “Kein Wasser,” schrieb der Elefant in den Sand und meinte Sevilla, aber Rosa lachte nur das kehliges Lachen, welches sie unter Zigeunern gelernt hatte, und rief, jemand solle dem armen Tier etwas zu trinken bringen.
#75. Engl. Original veröffentlicht in Mad Hatters Review als “Mummenschanz”.

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