Taras Zuneigung für Tim war beeinträchtigt von Tims Liebe zu Tom. Beide Jungen waren hübsch und hatten sandfarbenes Haar. In den Fotos der dreien war sie immerzu zwischen sie eingeschoben wie eine Scheibe Schinken zwischen zwei weichen Weißbrothälften. Sie sah Tim und Tom als schlaff-schöne, geschmeidige Gesellschafter—ob es wirklich Liebe war, wusste sie nicht. Sie hätte lieber zwei würzige Männer an der Seite gehabt, Männer mit Kanten, an denen sie sich hätte reiben können. Tara spürte, dass schon ein Esslöffel an Mannbarkeit sie für lange Zeit gesättigt hätte. Vermutend, dass eine Zweierbeziehung viel weniger ermüdend gewesen wäre, erschöpfte sie ihre Phantasie, um die Triade zu festigen.
Eines Tages schrieb sie ein Klavierstück für drei Hände und nannte es “Tyrannei für Drei”. Es war in einem neuen Schlüssel geschrieben: der T-Schlüssel war weder Moll noch Dur, weder traurig noch lustig. Tim und Tom nickten und ihre Köpfe, über denen Haarwellen schwappten, wippten zustimmend hin und her. Drei Spieler wurden benötigt, um das Musikstück auf einem Flügel zu spielen. Es war Hochsommer und es gab sonst kaum etwas zu tun; Sex war verboten und Geld zum Verreisen hatten sie nicht. Tim, Tom und Tara übten bis ihre Finger bluteten; sie übten bis jeder von ihnen eine so schwere Sehnenscheidenentzündung hatte, dass der diensthabende Arzt im Krankenhaus Fotos für eine neue Ausgabe des medizinischen Lehrbuchs “Künstlerkrankheiten” machte, in denen sie identisch bandagiert waren.
Aber es war Tara’s letzter Versuch selbdritt: als ihr Verband herunterkam, verbrannte sie “Tyrannei für Drei”, rief den Arzt an, der mit ihr hatte ausgehen wollen, und überließ Tim und Tom ihrer Verzückung.
#77. Photo: Jennifer Tomaloff, Ihr Buch “Bending Light Into Verse—In Those Days We” erscheint mit zwei Geschichten von Marcus Speh voraussichtlich im März 2012.



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